» Yad Vashem und Yehuda Bacon
Unser zweiter Tag in Jerusalem stand ganz im Zeichen der Shoa, also dem Holocaust, sowie der damit verbundenen Kultur der Erinnerung an ein unvergleichlichbares Verbrechen der Menschheitsgeschichte. In der israelischen Gedenkstätte wird diese grausame Erfahrung insbesondere für Millionen europäische Juden aufgearbeitet und den unzähligen Opfern gedacht. Lange Zeit nach dem zweiten Weltkrieg war die Aufarbeitung des Holocausts nicht nur in Europa sondern auch in Israel nur unzureichend erfolgt. Mit dem Eichmann-Prozess hat dies seine Wende genommen und heute ist das nationale Gedenken an die Shoa in Israel allgegenwärtig.

Für mich war der rund vierstündige Besuch in “Yad Vashem” eine sehr bewegende Erfahrung. Zum Einen natürlich die sehr umfangreiche und detaillierte Schildereung der furchterregenden Ereignisse nach der Machtergreifung durch die Nazis mit den brennenden Synagogen, der Entrechtung, Enteignung und Erniedrigung sowie der grausamen Deportation und Vernichtung der Juden in Europa. Zum anderen aber vor allem die Art und Weise des Gedenkens durch die überlebenden Juden, die einen sehr individuellen und nach vorne gerichteten Umgang mit dem Trauer vermitteln.

In diesem Sinne habe ich dann auch das anschließende und hoch interessante Gespräch mit dem Künstler und Holocaust-Überlebenden Yehuda Bacon empfunden, mit dem wir etwa zwei Stunden Kaffee trinken konnten. Yehuda war als Kind nach Theresienstadt gekommen und später im Vernichtungslager Auschwitz gelandet und zum Kriegsende befreit worden. Zu letzterem Zeitpunkt war er keine 16 Jahre alt. Obwohl erdurch diese Erfahrungen nicht nur seine Kindheit, als auch seine ganze Familie verloren hat, strahlt Yehuda heute eine Lebebsfreude aus, die mehr als beeindruckend ist. Sein positiver Umgang auch mit den schmerzhaften Erfahrungen und dunklen Seiten des Lebens vermittelt ein Menschenbild, das uns allen Vorbild sein sollte.

Auf dem Weg von Yad Vashem zum Gespräch mit Yehuda Bacon sind Sven und ich noch am Grab von Ytzcak Rabin vorbeigegangen, um dort im Auftrag von unserem lindener Kioskbesitzer Ekmek Blumen niederzulegen. Am heutigen Montag haben wir dann zahlreiche Abgeordnete und zwei Minister Israels in der Knesset – also dem Parlament – und dem Außenministerium getroffen. Von diesen Gesprächen werde ich morgen berichten. Auch weiterhin gibt es gute Berichte bei meinen Mitreisenden Sven und Christoph.









am 3. January 2010 um 21:59 Uhr
[...] Zum Weiterlesen: Der Tagesbericht von JPA. [...]
am 4. January 2010 um 09:55 Uhr
Yehuda hatte mich damals auch tief beeindruckt. Ein toller Mensch und ich bin froh ihn schonmal getroffen zu haben. Habt weiterhin eine gute Reise und vielleicht sehen wir uns ja nochmal in Berlin solange ich hier bin.